27.01.16

Musik ist eine wunderbare Gottesgabe

Thomas Löw beendete seine Leitertätigkeit bei Kirchenchor und Posaunenchor – Stimmungsvoller Abschied in der Kirche

Im Bild sind zu sehen: (von links) in der hinteren Reihe Marius Sauter, Georg Halder, Michael ?ulo und Tobias Scherer, in der Mitte Thomas Löw und vorne Birgit Leeb und Pfarrer Ulrich Kopp. Foto: Erika Kern

Autor: Helmuth Kern — Nürtinger Zeitung

Eine festliche Verabschiedung bereiteten Pfarrer Ulrich Kopp, der Kirchenchor und der Posaunenchor ihrem Chorleiter Thomas Löw im Rahmen des sehr gut besuchten Gottesdienstes und einer Stunde des Abschieds am letzten Sonntag in der evangelischen Martinskirche Neckartenzlingen.
 
NECKARTENZLINGEN. Nach 30 und 31 Jahren übergab Löw die Stimmgabel an seinen 22-jährigen Nachfolger in der Kirchenchorleitung, Marius Sauter, und den Stab an den 27-jährigen künftigen Posaunenchorleiter Tobias Scherer. Zuvor waren die beiden Chorleiter von Pfarrer Kopp in ihr für die Kirchengemeinde und deren Glaubensleben wichtiges Amt der musikalischen Verkündigung eingesetzt worden.

Was für sie zukünftige Aufgabe ist, war für Löws Chorleitertätigkeit tragendes Fundament, hörbar im Vorspiel des Posaunenchors zu Paul Gerhardts „Du meine Seele singe“ und in der Löw’schen Vertonung der Jahreslosung für 2016, Jesaja 66, Vers 13: „Gott spricht: ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet“ – einem Kanon für drei Stimmen. Gesungen vom Kirchenchor, rahmte er die Predigt ein.

Zu Beginn seiner Predigt reflektierte Pfarrer Kopp mögliche Gründe des Kirchenbesuchs. An einem normalen Sonntag gäbe es auch andere Gründe als heute; einer davon sei der, aufrichtigen Trost zu finden. Was dieser bedeutet, vertiefte Kopp am Bespiel der Mutter-Kind-Beziehung. Da sei Trost mit Vertrauen, Liebe, Zuwendung, Wärme und Nähe verbunden.

„Die erfahrbare Nähe, mit der Gott uns tröstet, war am erfahrbarsten in der Nähe Jesu zu Müttern und Töchtern, zu Vätern und Söhnen, zu Obdachlosen und Hochstaplern. Er hat sie gesättigt. Er hat sie geheilt. Er hat sie umarmt und gesegnet. So tröstet Gott.“ Dazu habe er uns Menschen in die Nachfolge Jesu berufen, „dass wir einer beim andern Trost finden: Trost, der sättigt, Trost, der gesund macht, Trost, der umarmt und segnet“.

Zum großen Abschied kamen auch Vertreter des Kirchenbezirks und der Katholischen Kirchengemeinde mit Grüßen, Wünschen, Präsenten und Urkunden. Bezirkskantor Michael Čulo überbrachte Grüße von Dekan Waldmann und Urkunden vom Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg sowie vom Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland.

In Čulos Grußwort wurde die umfassende, ganzheitliche Dimension der Kirchenmusik deutlich, die den ganzen Menschen und seine Gefühle anspricht, die Glauben und Beten hörbar macht und heilende Wirkung hat – wie das die Psalmen König Davids, des ersten Musiktherapeuten, belegen. Verkündigung sei Ziel und Inhalt, denn „Bey einer andächtigen Musique ist Gott allezeit mit seiner Gnaden-Gegenwart“, zitierte er Johann Sebastian Bach und verwies auch auf Martin Luther, für den der Glaube Antrieb war, „fröhlich und mit Lust davon (zu) singen und sagen, dass es andere auch hören und herzukommen“.
Dieser Aufgabe habe sich Löw angenommen und mit seinen Sängern und Bläsern die Tiefe der frohen Botschaft ausgelotet. Čulo dankte ihm mit herzlichen Worten und einem Buchgeschenk für seinen treuen Dienst, sein Engagement, seinen Sachverstand, seinen großen Elan, mit dem er sich der „musica sacra“ angenommen habe.

Dank und Lob kam auch von Birgit Leeb, die für das Bezirksbläserteam sprach und ein Dankschreiben von Hans Ulrich Nonnenmacher, dem Landesposaunenwart vom Landesjugendwerk, überbrachte. An die neuen Chorleiter war Kopps kurze Ansprache zu deren Amtseinsetzung gerichtet.
Kurz stellten sich Tobias Scherer und Marius Sauter vor. Scherer, der gebürtige Neckartenzlinger, hat viele Jahre im Posaunenchor gespielt, hat Leitungserfahrung und möchte Löws Arbeit gewinnbringend fortführen. Sauter hatte am Neckartenzlinger Gymnasium Musikunterricht bei Löw. Gesang im Hauptfach studiert er an der Musikhochschule Stuttgart und hat in angesehenen Chören viel Erfahrung gesammelt.
Er spielt Klavier und Orgel, letztere auch in der Martinskirche. Auf seine neue Aufgabe freut er sich; und dass diese Freude überspringen kann, wurde in den beiden von ihm sehr lebendig dirigierten Chorliedern „Gott, Dein guter Segen“ und dem „Irischen Reisesegen“ hörbar.

Festlich erklangen dann die zwei Posaunenchorsätze „One Moment in Time“ und „Vater, Deine Liebe“ unter Scherers Leitung. Im letzten wurde mit einer Blockflöteneinlage an die Anfänge des Posaunenchors schelmisch erinnert.
Grüße von Pfarrer Weber und dem Kirchengemeinderat, „Orgelsekt“ und Dankesworte überbrachte Georg Halder von der Katholischen Kirchengemeinde. Er freute sich, dass nun mit Sauter ein Eigengewächs im kirchenmusikalischen Dienst sei.

Der Laudatio von Pfarrer Kopp lag Psalm 98 zugrunde: Singen, Saitenspiel, Trompeten und Posaunen zum Lobpreis Gottes. Als Dank der Kirchengemeinde überreichte Kopp sinnigerweise das Buch „Die Psalmen“ mit Bildern von Chagall. Für ihr Verständnis und ihre Unterstützung bedankte sich Kopp bei Karin Löw mit einem Blumenstrauß.

Unterhaltsam und humorig sprachen Uwe Scherer und Sandra Kößling für den Posaunenchor über das, „was wir schon immer sagen wollten“; dann wurde unter den Klängen des Posaunenchors dessen mit essbarem Posaunenchorbild belegter Kuchen angeschnitten. Der von den beiden Chören unter der Regie des Kirchengemeinderats prächtig ausgerichtete Imbiss konnte beginnen.