Kantatengottesdienst

Sonntag, 6. Januar 08, 10 Uhr

J. S. Bach: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“, BWV 248,6

 

Maren Jacob, Sopran / Kerstin Wagner, Alt / Bernhard Gärtner, Tenor / Jens Hamann, Bass

Nürtinger Kantorei / Orchester der Stadtkirche

Leitung: Angelika Rau-Čulo

J. S. Bach: Weihnachtsoratorium (IV-VI), BWV 248

Sonderkonzert zur Eröffnung der Reihe „Stunde der Kirchenmusik“

Sonntag, 6. Januar 2008, 17 Uhr

Maren Jacob, Sopran / Kerstin Wagner, Alt / Bernhard Gärtner, Tenor / Jens Hamann, Bass

Nürtinger Kantorei / Orchester der Stadtkirche

Leitung: Angelika Rau-Čulo

 

Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist eine der berühmtesten und meistaufgeführten geistlichen Kompositionen J. S. Bachs. Es ist eigentlich nicht als geschlossenes Oratorium konzipiert, sondern als Zyklus von sechs Kantaten für die Weihnachtszeit 1734/1735: nämlich für die drei Weihnachtsfesttage, den Neujahrstag, den Sonntag nach Neujahr und das Epiphaniasfest. Die Nürtinger Kantorei führte am Epiphaniasfest, dem  6. Januar 08, die Teile IV-VI auf: Dieses Konzert war der Auftakt zur neuen Reihe „Stunde der Kirchenmusik“, die ab Februar 08 jeweils einmal im Monat samstags um 18 Uhr stattfindet.

"Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande"

Die Nürtinger Kantorei gestaltete wesentliche Teile in den Kantaten IV bis VI des Weihnachtsoratoriums von Bach. Foto: Richling

Die Nürtinger Kantorei präsentierte mit Projektorchester und Solistenquartett glanzvolle Bach-Kantaten in der Stadtkirche zum Dreikönigsfest

 

NÜRTINGEN. Die Kantaten IV bis VI des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach erfuhren am Dreikönigstag in der Nürtinger Stadtkirche mit einem Projektorchester, mit der gut disponierten Nürtinger Kantorei und einem hervorragenden Solistenquartett eine glanzvolle Aufführung.

 

Kantorin Angelika Rau-Čulo machte schon mit dem großen Chor Fallt mit Danken, fallt mit Loben zu Beginn der Kantate IV ihre Auffassung der Bachschen Musik deutlich. Weicher Hörnerklang fügte sich in die kammermusikalische Transparenz bei Instrumenten und Sängern. Das durchweg flüssige Tempo wurde vom Puls der Alten Musik bestimmt, was eine ganztaktige Schlagtechnik beim Dirigieren mit sich brachte. Sie erreichte dabei einen ausgeglichenen Klang des Chores, der für dynamische Linien offen war.

 

Die erste Kantate des Konzerts beschäftigte sich mit der Namensgebung Jesu. Die meditierenden Betrachtungen darüber waren den Gesangssolisten anvertraut. Die Gestaltung der Echo-Arie geriet dabei gleich zu einer musikalischen Vorzeigenummer, denn gegenüber der mit hellem Vordersitz intonierenden Sopranistin Maren Jacob waren Echo-Oboe und Echostimme gestaffelt im Chor der Stadtkirche postiert, sodass ein faszinierendes Raum-Klang-Erlebnis mit Stereoeffekt entstand.

 

Eine ganz andere Wirkung entfachte die lebhafte, von Fugato-Motiven der Violinen getriebene Tenor-Arie Ich will nur dir zu Ehren leben. Hier konnte Bernhard Gärtner, der sich anfangs als flexibler Evangelisten-Tenor eingeführt hatte, mit perlenden Koloraturen und instrumentaler Stimmführung überzeugen und sich inmitten des Orchesters in konzertantem Wettstreit bewähren.

Mit den folgenden Kantaten rückte die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande und die Bedeutung des Sterns, dem sie folgten, ins Zentrum der musikalischen Darbietung. Schwungvoll der Eröffnungschor der Kantate V, packend die biblischen Berichte über den Schrecken des Herodes, schlicht und innig die Choräle. Starke Eindrücke hinterließen in diesen Teilen die Altistin Kerstin Wagner in ihrem relativ kurzen Chor-Wechselgesang (Wohl euch, die ihr dies Licht gesehen) und der Bassist Jens Hamann in seiner ausführlichen Arie (Erleucht auch meine finstre Sinnen). Man hörte bei beiden runde, sonore Stimmen, die die Beschwörung des göttlichen Lichts mit sängerischer Ausstrahlung und intensiver Textgestaltung den Zuhörern nahebrachten.

 

Barocke Festlichkeit mit Pauken und Trompeten waren die Kennzeichen der letzten Kantate. Hier zeigte Bach im Chor Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben, welch großartige polyphone Strukturen er schaffen konnte, und die Ausführenden angeführt von Solotrompeter Hans Peter Buck taten alles, um den musikalischen Glanz dieses Stückes aufblitzen zu lassen. Die Dirigentin agierte souverän, wie sie auch in den weiteren Sätzen mit sicherer Zeichengebung das kontrastreiche Geschehen im Griff hielt mal boten die Arien tänzerische Muster, mal konzertante.

 

Der Chor bekam zwischendurch die schlichte Rolle des Gemeindegesangs zugeteilt (Ich steh an deiner Krippen hier), bevor er dann in der abschließenden prachtvollen Choralbearbeitung triumphale Töne in geradezu manichäischer Manier anstimmte.

 

Starker Beifall brandete in der gut besuchten Stadtkirche auf und bestätigte, dass die gelungene Aufführung angekommen war. Ein erfreulicher Start ins neue Jahr für die dortige Kirchenmusik, die sich ab Februar mit monatlichen Veranstaltungen verstärkt im Kulturleben der Stadt präsentieren will.

Eckhard Finckh

Quelle: NTZ 09.01.08