Hanzo Kim als Bezirkskantor in Nürtingen eingesetzt

Nürtingens neuer Kirchenmusiker wurde feierlich in der Stadtkirche in sein Amt eingeführt. Schon mit zehn Jahren begann Hanzo Kim im Gottesdienst Orgel und Klavier zu spielen. Das war in Seoul, Südkorea. „Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, 30 Jahre später Bezirkskantor in Nürtingen zu werden“, sagte er bei seiner Amtseinführung am Sonntag.

Der Kinder- und Jugendchor während der Vakatur, geleitet von Angela Sieg Fotos: Dietrich

Der neue Nürtinger Bezirkskantor Hanzo Kim

 

Nürtinger Zeitung - Peter Dietrich

 

Die Kantate „Wir danken Dir, Gott, wir danken Dir“ hat Johann Sebastian Bach in Leipzig für die Ratswahl komponiert. Dass der neue Nürtinger Bezirkskantor Hanzo Kim seine Amtseinführung an der Orgel mit einem Stück aus dieser Kantate eröffnete, passte gut: Es wurden zwar kein Oberbürgermeister und keine Stadträte gewählt, aber auch ein Bezirkskantor wird durch Wahl bestimmt. Zwei Tage lang hat das Besetzungsgremium Orgelmusik gelauscht. Als dann Kim an der Reihe war, war für den geschäftsführenden Stadtkirchenpfarrer Markus Lautenschlager sofort klar: „Den will ich haben.“

Die Wahl war schon im Oktober 2019, nun konnte Kim seinen Dienst antreten. Er wuchs in Seoul in einer reformierten, presbyterianischen Kirchengemeinde auf, die Traditionen aus den USA und England pflegt. So war Kim die westliche Musik nicht fremd.

Seit mehr als 20 Jahren ist er nun in Deutschland, sein Studium führte ihn nach Tübingen. Schon vor mehr als zehn Jahren habe er ihn in Tübingen das erste Mal spielen gehört, sagte Karl-Heinz Schuhbeck aus Garching bei München, einer der beiden bei einer Investitur üblichen Zeugen.

Er beschrieb Kim als „famosen Organisten, zuverlässigen Kirchenmusiker und guten Freund“. Die zweite Zeugin war Pfarrerin Muriel Sender, die in Tübingen gemeinsam mit Kim Prüfungen bestanden hat. Sie zitierte Martin Luther und forderte Kim deshalb auf: „Schwingen Sie den Taktstock, vertreiben Sie den Teufel und machen Sie uns fröhlich.“

Den Taktstock oder nur die Hände schwingen wird Kim auch im Kinder- und Jugendchor, der während der Vakatur von Angela Sieg geleitet wurde. Die neun Kinder sangen mutig und freudig ohne Mikrofonverstärkung in der großen Stadtkirche.

Die Kantorei wird Kim erst nach Ostern übernehmen, sein Vakatur-Stellvertreter Jürgen Budday wird sie noch bis zum Konzert am Karfreitag mit dem Requiem von Brahms führen. Wie zufrieden und glücklich die Kantorei mit der „milden Herrschaft“ von Budday ist, das machte Stefan Kneser in seinem Grußwort deutlich. Doch das darf nicht täuschen: Es ist die Milde eines sehr versierten Kirchenmusikers im Ruhestand.

Kim sei aber auch schon vor Ostern willkommen, betonte Kneser, ganz besonders als Sänger im Tenor. Die Kantorei stellt an sich selbst hohe Ansprüche, sie überzeugte mit Präzision und Dynamik. Besonders beeindruckend war das „Ubi Caritas“, zu dem sich die Kantorei in der ganzen Kirche verteilte.

Landesmusikdirektor Mathias Hanke betonte, Kim stehe mit seinem Dienst immerhin in der Nachfolge von König David. Er unterstrich auch, wie klein doch die Welt sei: Hanzo Kims Vorgänger, das Bezirkskantoren-Ehepaar Angelika Rau-Čulo und Michael Čulo, ist nach Hildesheim gewechselt, also in den Kirchenbezirk Hildesheim-Göttingen. Zu diesem „Sprengel“ gehört auch Holzminden, wo Kim einige Jahre lang als Kirchenmusiker tätig war. Nun werde er in Nürtingen unter anderem Beratung und Fortbildung anbieten, Chorleiter besuchen und Bands coachen, sagte Hanke.

Für die Gesamtkirchengemeinde hieß Ellen Gneiting den neuen Bezirkskantor willkommen, mit einem Nürtinger Bildband. Pfarrerin Sylvia Unzeitig war kurzfristig erkrankt, für sie sprang Pfarrerin Ina Mohns aus Neckartailfingen ein. Die Predigt hielt Dekan Michael Waldmann. Musik trage dazu bei, sagte er, „dass die Freundlichkeit und Gnade Gottes erfahren wird“. Aus ganz unterschiedlichen Stimmen entstehe ein großartiger Zusammenklang. Musik habe eine Kraft, die über Worte hinausgehe.